Wettbewerb Erweiterung Historisches Museum Saar

K O N Z E P T

1. Kein Anbau ist der beste Anbau

 Das historische Museum Saar wurde in den 1990er Jahren von Gottfried Böhm in allernächster Nachbarschaft zum barocken Schloss gebaut. Aufgrund der damaligen Topographie, der bestehenden Verkehrssituation und der damalig-vorhandenen Bebauung, hatte sich der Architekt auf ein extrem schmales dafür aber sehr langgezogenes Bauwerk entschieden, welches oberhalb des Schlossplatzes eine ruhige, und mit seinem Tonnendach prägende Gestalt besitzt.
Der größte Teil der 2700m2 umfassenden Ausstellung liegt jedoch komplett unter der Erdoberfläche. Die Einengung am südlichen Schlossflügel auf 3,5m zwischen Böhm‘ scher Treppe und Schloss-Außenwand ist denkmalpflegerisch kaum noch zu vertreten, da es dem wiederaufgebauten Schloss „die Luft zum Atmen“ nimmt und gleichzeitig im rückwärtigen sich entwickelnden Raum eine trostlose Zone bietet.

IDEE: Ein Anbau in dieser Zone ungeachtet ihres Abstandes zum Schloss fanden wir als „NICHT ANGEMESSEN“ und auch sehr unbefriedigend hinsichtlich einer adäquaten Formensprache und dem denkmalschutz-Aspekt. Deshalb entscheiden wir uns dafür keinen Erschließungs-Anbau im Zwischenbereich zu machen.

2. Sichtbarmachung der Ausstellung

Während unseres Besuchs im Museum und der Erkundung der Situation ist uns mehrfach störend aufgefallen, wie wenig- bis gar nicht das Wesen der Ausstellung nach Außen transportiert wurde. Dies gipfelte sprichwörtlich in der Frage von zwei interessierten Touristen und möglichen Museumsbesuchern an diesem Tag: „Was gibt es hier eigentlich zu sehen?“

IDEE: Aufmerksamkeit und Lust auf die Ausstellung wecken, schon bevor man überhaupt in das Museum hineingeht. Hauptzugangsachsen sind derzeit die von unten aufwärtskommende Talstrasse und die Zuwegung über den Schlossplatz.
Die absolut atemberaubende, unterirdische Kasematten- und Festungsbastionsanlage aus dem 16.Jhr., soll am Anfangsteil nach „oben und außen“ sichtbar gemacht werden.
Dazu wird der Schlossplatz über die drei Mal 4,20m Achsen vor dem Museum aufgeschnitten“ und mit einer gläsernen, begehbaren Hülle neu eingedeckt.
Um dem bestehenden Museum einen „bedeutenden Eingang“ zu geben, entscheiden wir uns die ersten zwei Hauptachsen der Böhm’schen Galerie aufzuschneiden und über alle Geschosse mit Tageslicht zu versorgen. Dies dient als helles Foyer und bietet gleichzeitig die Chance hier mit einer „REKONSTRUKTION“ der Festungswand aus dem 16. Jhd. Die unterirdische historische Wand nach oben zu bringen und für ankommende Besucher bereits sichtbar zu machen.

3. Schichten freilegen

Die bewegende Geschichte dieses Ortes wird unmittelbar bewusst, wenn man das herrliche Holzmodell des Renaissance-Schlosses betrachtet, und man wird im Laufe der Ausstellung gewahr, dass dies der wahre Schatz des Ortes darstellt. Leider zum größten Teil nicht mehr existent und dennoch teilweise verborgen sichtbar im Untergrund.

IDEE: Die beeindruckende unterirdische Halle mit den be“greif“baren historischen Resten in Relation zu den heute sichtbaren Strukturen an der Oberfläche zu setzen.
Durch „Öffnen“ und durch „Transparenz“, sowie Nachbildung der vor- und rückspringenden Festungswand des Wassergrabens mit seinen Zinnenabschlüssen und der feinen Friesgliederung, soll den Besuchern ein nach außen sichtbares Zeichen der verschiedenen historischen Schichten vermittelt werden, wobei der Böhm’schen Schicht durch Reihung dreier weiterer freistehender Haupt-Trägerstrukturen einer Akzentuierung des Haupteingangs gleichkommt, da an dieser Stelle vor dem jetzigen Haupteingang aus denkmalschutz-Sicht KEINE VOLUMETRISCHEN Ergänzungen erlaubt sind.
Die unterirdische historische Wand nach oben zu bringen und für ankommende Besucher bereits sichtbar zu machen.

Planungsphase: 2023-24
Leistungsphasen: 0 Wettbewerb

Andreas Hammer, Tiemen Bohland, Monika Karamfilova, Anna Jung, Soner Myumyun

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